Parkour

Parkour ist eine Trainingsmethode, bei der es darum geht, physische und mentale Hindernisse auf einer Strecke von einem Punkt A zu einem Punkt B, rennend, kletternd, balancierend oder springend zu überwinden. Die Methode zeichnet sich durch eine spezielle Herangehensweise an Bewegung sowie eine andere Wahrnehmung der eigenen Umgebung aus. Es geht darum, das Zusammenspiel von Körper und Geist zu perfektionieren und dadurch Ängste zu überwinden und eigene Grenzen des Möglichen zu verschieben [1].
Personen die Parkour praktizieren werden als Traceure bezeichnet (Traceur: Der einen Weg legt/ seinen Weg geht) [2].

Du möchtest mehr über Parkour erfahren? Im Parkour-Archiv findest du alle relevanten Infos gebündelt:

www.parkour-archive.com

 

Unlike other physical disciplines that take the name of the activity as the basis for the name of the practitioner, for example, people who climb are climbers, people who practice parkour are not parkourers. The name that is now commonly used for someone who does Parkour is a traceur. […] Some choose to refer to female Parkour practitioners as traceuses or use the term traceur for both. [1]

Für die Fortbewegung trainieren Traceure bestimmte Bewegungsabläufe bzw. Überwindungstechniken welche sie von anderen Traceuren übernehmen oder selbst entwickeln. Mit neuen Hindernissen entstehen auch neue Techniken und es werden bestehende entsprechend angepasst. Hierbei geht es darum, sie möglichst vielfältig und in den unterschiedlichsten Situationen sowie unter erschwerten Bedingungen einsetzen zu können [3].
Da Konkurrenzfreiheit einer der Grundwerte von Parkour ist, wird es von vielen Traceuren eher als eine Disziplin oder Lebenseinstellung und nicht als eine Sportart beschrieben [4], da letzteres in den meisten Fällen Wettkämpfe per Definition einschließt: „An activity involving physical exertion and skill in which an individual or team competes against another or others for entertainment.“ [5].

Geschichtlicher Hintergrund
Schon seit es Menschen gibt, mussten Hindernisse überwunden werden. Früher mehr als heute waren Menschen darauf angewiesen Fähigkeiten zu besitzen, um sich der Umgebung entsprechend und effizient fortzubewegen.
Das Phänomen „Le Parkour“ begann Ende der 80er Jahre in den französischen Orten Sarcelles, Lisses und Évry [1].
Neun Individuen waren maßgeblich an der Entstehung und Entwicklung der Disziplin beteiligt. Anfangs gab es keinen bestimmten Begriff für das, was sie praktizierten. Sie nannten es „Child’s play“ oder „parcours“ [6]. Später entstand die Bezeichnung „L’Art du Deplacement“ (ADD). Zu der Gruppe gehörten Châu Belle-Dinh, Williams Belle, David Belle, Guylain N’Guba-Boyeke, Malik Diouf, Sébastien Foucan, Yann Hnautra, Charles Perrière und Laurent Piemontesi [1].
Die Familie von David, Châu und Williams hatte starken Einfluss auf die Gruppe. David beschreibt seinen Vater, Raymond Belle, als die Schlüsselperson [7].
Die Belle-Familie lebte bis in die 50er Jahre im Vietnam [7]. Beeinflusst durch den persönlichen Werdegang lebten sie bestimmte Werte, die zum Teil in das Training der Gruppe mit aufgenommen wurden [1]. Über Raymond wurden den Jugendlichen Trainingsansätze der „Méthode Naturelle“ von Georges Hérbert vermittelt, nach denen er im Vietnam-Krieg das „Parcours du Combattant“ erlernt hatte [7].
Anfangs bestand das Training der Gruppe aus spielerischen Herausforderungen. Später wurde es zunehmend mit einer größeren Ernsthaftigkeit angegangen bei der es darum ging, sich selbst besser kennenzulernen und die eigenen Grenzen zu überwinden. Durch ihr Training und ihre Fähigkeiten, die daraus resultierten, gerieten sie nach einiger Zeit mehr und mehr ins Licht der Öffentlichkeit. Erste Interviews, wie der TF1 Report [8] bewirkten ein wachsendes Interesse und zunehmende Bekanntheit.
Die Jugendlichen gründeten die erste offizielle Gruppe, die Yamakasi [1]. Diese wurde jedoch bereits nach kurzer Zeit von David und Sébastien wieder verlassen, da sich über die Zeit unterschiedliche Ansichten zum eigenen Training gebildet hatten [9]. David Belle grenzte sich mit dem Begriff „Parkour“ von der ADD ab [1]. Auch Sébastien war aus der Gruppe ausgetreten. Im Jahr 2003 wurde die Dokumentation Jump London, welche ihn und einigen andere Traceure zeigte veröffentlicht. Hier entstand der Begriff „Freerunning“, um Parkour eine Bezeichnung zu geben, die auch international leichter verstanden werden konnte. Freerunning wurde mit Parkour zusammen synonym verwendet [1]. Erst später entstand daraus eine andere Richtung der Disziplin, die sich durch das Einbinden akrobatischer Techniken, wie Salti etc., von Parkour abgrenzte und auch weniger die damaligen Werte übernahm. Einen weiteren großen Einfluss hatten Videos wie SpeedAirMan [1] und die Filme „Yamakasi, les samouraïs des temps modernes“ im Jahr 2001 und Banlieue 13 im Jahr 2004.
Da nicht wie in anderen Sportarten feste Regeln vorgegeben wurden, entstand eine große Vielfalt an Trainingsansätzen und eigenen Interpretationen von Parkour. Inzwischen werden Parkour, L’ADD und Freerunning weltweit praktiziert [10][11]. Jedoch ist Parkour erst in wenigen Ländern als offizieller Sport anerkannt [12].

Philosophie
Raymond Belle, fing nach seinem Lebensabschnitt beim Militär an, bei der französischen Feuerwehr zu arbeiten, um seine körperlichen Fähigkeiten für etwas Nützliches anzuwenden. Dies inspirierte David entsprechende Werte in Parkour einfließen zu lassen. „The participants of Parkour must also develop the skill to provide humanitarian relief safely and humbly.” [3]. Einen weiteren Einfluss hatte, wie bereits erwähnt, die Méthode Naturelle von Georges Hérbert. Seine Trainingsmethode beinhaltete nicht nur das Erlernen körperliche Fähigkeiten, sondern ebenfalls die Vermittlung sozialer Werte, wie “Être fort pour être utile” (stark sein, um nützlich zu sein) [13].
Einer der Grundwerte von Parkour, ist die Konkurrenzfreiheit. „Parkour has never been a race to be the best. That’s not the original aim of the discipline. We don’t want to be judged. […] The foundation of the discipline isn’t competition against other people but competition against your own improving ability.” [3].
Einige andere Werte werden von Perriére und Belle in ihrem Buch beschrieben. Dazu gehören: “honesty, respect, humility, sacrifice, hard work, discipline“ [3] aber auch “être et durer” [1]

– Text von Martin Wille –

Quellen:
[1] Angel, J. (2011): Ciné parkour. A cinematic and theoretical contribution to the understanding of the practice of parkour.
[2] Hövel, M. (2008). Was genau ist ein Traceur? Abgerufen am 03.01.2018 unter: http://www.maltehoevel.de/journalismus/cd/akt/traceur.pdf
[3] Perrière, C., & Belle, D. (2014). Parkour: Des origines à la pratique = from the origins to the practice.
[4] Kidder, J. L. (2013). Parkour: Adventure, Risk, and Safety in the Urban Environment. Qualitative Sociology, 36(3), 231–250. doi: 10.1007/s11133-013-9254-8
[5] Oxford Dictionaries. (2018). Sport. Oxford University Press. Abgerufen am 03.01.2018 unter: https://en.oxforddictionaries.com/definition/sport
[6] SebastienFoucanTV. (2010). Sebastien Foucan interview – How It All Began. [Video]. Abgerufen am 15.01.2018 unter: https://www.youtube.com/watch?v=xI4_kZPH8dY
[7] Belle, D., & La Gros Faige, S. (2009). Parkour.
[8] Ludovic Parkour. (2012). Documentary David Belle and Yamakasi – 2001. [Video]. Abgerufen am 15.01.2018 unter: https://www.youtube.com/watch?v=R9v-uu7d0Kg&
[9] ADD Academy. (2015). Practice and ADD Founders. Abgerufen am 15.01.2018 unter: http://www.add-academy.com/en/practice-and-add-founders/
[10]Parkour.Org. (2018). Map. Abgerufen am 25.01.2018 unter: https://www.parkour.org/map/#map/32.41431/28.73851/2
[11] pkfr.world. (2018). Places. Abgerufen am 25.01.2018 unter: https://parkour-freerunning.world/places/
[12] The Guardian. (2017). UK becomes first country to recognise parkour as a sport. Abgerufen am unter: https://www.theguardian.com/sport/2017/jan/10/uk-first-country-recognise-parkour-sport
[13] Sport’nat. (2017). Histoire-s: La Méthode Naturelle s’est construite depuis les années 1910. Abgerufen am 15.01.2018 unter: http://sportnat.be/histoire-s/