Parkour

– Text von Martin Wille –

Parkour ist eine Form der effektiven Fortbewegung im urbanen sowie natürlichen Raum. Dabei werden Hindernisse, einer selbstgewählten Strecke, so effizient wie möglich überwunden. Derjenige, der Parkour betreibt, wird Traceur („der eine Spur legt/ der seinen Weg geht“) genannt. Beim Training steht nicht nur die effiziente Hindernisüberwindung im Vordergrund, sondern auch das repetitive Üben von Techniken sowie das kreative Herangehen an die jeweiligen Gegebenheiten.

Doch wie es häufig so ist, steckt noch etwas mehr dahinter. „Le Parkour“ als Begriff wurde in den 90er Jahren von dem Franzosen David Belle bekannt gemacht.

Doch gab es diese Art der Bewegung in unterschiedlichsten Formen schon vorher.

Zur Philosophie von Parkour 

Bei Parkour gibt es verschiedene Arten der Auffassung. Für einige ist es eine Extremsportart, für andere ist es Kunst, durch welche sie sich ausdrücken und für wieder andere ist es eine Lebenseinstellung.

Eine Extremsportart ist es für viele, da beim Parkour-Training der gesamte Körper intensiv beansprucht wird. Als ich mit Parkour angefangen habe, war ich erstaunt, wo man überall Muskelkater bekommen kann. Da es dazugehört, dass man sich häufig zu Sprüngen oder ähnlichem überwinden muss, wird auch jede Menge Adrenalin ausgeschüttet. Bei vielen, die sich nicht mit Parkour beschäftigt haben, wird man daher auch als „Adrenalin-Junkie“ bezeichnet und es herrscht oft die Meinung, dass man Parkour macht um den Kick zu haben. Dies trifft eventuell bei einigen Menschen zu, doch wenn man sich ein wenig mit Parkour beschäftigt hat weiß man, dass es darum nicht gehen sollte.

Damit wäre ich bei der Auffassung als Lebenseinstellung. Der Grundgedanke der hinter Parkour steht und der von David Belle als Philosophie dazugegeben wurde schließt den Wettkampf bei Parkour aus. Man trainiert nur für sich selbst. Einmal um sich körperlich weiter zu entwickeln bzw. den Körper fit und flexibel zu halten, aber auch um mentale Grenzen bzw. Hindernisse zu überwinden.

Die Fähigkeiten, die man beim Training lernt, soll man auf andere Lebensbereiche übertragen, wie z. B. Beruf, Beziehung, etc. Der Ausschluss des Wettkampfgedanken ist hier von besonderer Bedeutung. Es geht nicht darum auf andere zu schauen und zu sehen wie viel besser oder schlechter sie sind. Man vergleicht sein Training und sein Handeln nur mit sich selbst (zB. wie es vor einem Jahr war). Nur dann kann man sehen, ob man Fortschritte gemacht hat oder nicht. Das heißt jedoch nicht, dass man sich nicht von anderen Menschen inspirieren lassen kann. Im Gegenteil, man soll stets versuchen sich zu verbessern. Dabei können uns andere Personen unterstützen, indem sie uns etwas über uns sagen, was uns bisher noch nicht aufgefallen ist.

Über diesen Bereich könnte man noch sehr viel mehr und ausführlicher schreiben, doch ich will es dabei belassen und zur künstlerischen Auffassung übergehen.
Bei Parkour bzw. bei Freerunning etwas mehr, geht es darum mit dem Hindernis oder etwas ähnlichem künstlerisch und kreativ zu „spielen“. Viele die Parkour machen und es als Kunst sehen, drücken sich, wie andere Künstler, durch ihre Bewegung aus. So hat in gewisser Weise jeder seine eigene Art sich auszurücken. Sie wird beeinflusst von dem, was der Traceur sonst im Leben macht bzw. gemacht hat und in welchem Umfeld er lebt.

Meistens ist es so, dass alle drei Bereiche in irgendeiner Weise vertreten sind.
Wenn du das hier gelesen hast, und eine ungefähre Vorstellung hast, was Parkour ist, aber nicht weißt, wie du anfangen sollst hier ein paar Tipps:

  • Als aller erstes sollte dir klar sein, dass du Parkour nur für dich trainierst und nicht, um anderen zu zeigen was du kannst! Lass es langsam angehen.
  • Lerne erst einmal deinen Körper durch Bewegung gut kennen. Das kannst du durch Klettern, Laufen, Springen und Balancieren oder auch indem du eine andere Sportart machst wie zum Beispiel Leichtathletik etc.
  • Such dir jemanden (z.B. uns) mit dem du Parkour trainieren kannst oder auch jemanden der gerne damit anfangen möchte. Es macht mehr Spaß, wenn man nicht alleine ist.
  • Du brauchst nichts als deinen Körper, ein paar bequeme Sportsachen (Sportschuhe) und vielleicht etwas zu Trinken :)
  • Lies diesen Artikel (wenn du ein wenig Englisch beherrschst): Dilution – Blane

Historisches

Der Ursprung von dem heutigen Parkour ist wohl die „Méthode Naturelle“ welche von Georges Hérbert Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitet wurde. Die „Méthode Naturelle“ war eine Trainingsmethode, um den Körper flexibel und widerstandsfähig zu machen. Es ging darum auf eventuelle Situationen vorbereitet zu sein, um als Mensch für die Gemeinschaft nützlich zu sein, bzw. um anderen Menschen zu helfen. Die Méthode Naturelle bestand nicht nur aus dem körperlichen Training, sondern auch das mentale Training spielte eine große Rolle.

Sie wurde später (Mitte des 20. Jahrhunderts) von Soldaten im Indochina-Krieg als Fluchttechnik verwendet. Der Vater von David Belle (Raymond Belle) war einer dieser Soldaten. Er erlernte die Méthode Naturelle in der Schule, welche ihn zum Soldaten ausbilden sollte. Auch in seinem späteren Beruf als Feuerwehrmann war ihm diese „effiziente Fortbewegung“ nützlich.

Sein Sohn David Belle (*1973, Fécamp) wurde von seinem Vater inspiriert. Schon früh begann auch er sich sportlich zu betätigen in dem er Leichtathletik und Turnen praktizierte. Er trainierte häufig im Freien, sodass er sich mit der

Méthode Naturelle vertraut machen konnte (Balancieren, Springen etc.). Als Jugendlicher zog er mit seiner Familie dann nach Lisses, einem Vorort von Paris. Hier wendete David die erlernten Bewegungen auf die urbane Umgebung an. Aus der zweckgebundenen

Méthode Naturelle wurde eher etwas, dass einer Freizeitaktivität nahe kommt. Auch andere Jugendliche fingen an mit ihm zu trainieren. So lernte er Sébastien Foucan kennen. Mit einer Gruppe von Freunden gaben sie etwa 1989 dieser Bewegungsart den Namen „L´art du déplacement“ (die Kunst der Fortbewegung).

Durch ein Video über David Belle von seinem Bruder, kam die Kunst der Fortbewegung an die Medien und verbreitete sich so immer weiter. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Gruppen in der Bewegung. Als erste gilt die Gruppe der Yamakasí zu welcher auch Sébastien und David anfangs gehörten, jedoch traten sie aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Bewegung und Training kurz danach wieder aus.

David beschäftigte sich nun damit, den Parkour-Begriff in die Welt zu bringen, währen Sébastien seine eigene Philosophie entwickelte und den Begriff des Freerunning verbreitete. Freerunning war nicht mehr auf die Grundbewegungen der effizienten Fortbewegung begrenzt, sondern enthielt auch kreative, akrobatische Elemente.